Ein Schleier der Müdigkeit legt sich auf meine Augen und ich blinzele mehrmals schnell, um meinen Geist wieder wachzurütteln. Typisch Januar, denke ich. Liegt es an der eiskalten Luft, die an diesem Tag gerade mal Minus vier Grad auf dem Thermometer erreicht?
Ist es die winterliche Dunkelheit, die in dieser Jahreszeit gegen 16 Uhr langsam über den Himmel einbricht? Oder ist es meine To-do-Liste, die bereits zu Jahresanfang so prall mit Aufgaben gefüllt ist, dass mir bei deren Anblick dieses schwere Gefühl der Müdigkeit einsetzt?
Zurück im Alltag nach der Weihnachtspause
Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Wintermüdigkeit, Leistungsdruck und dem Gefühl, direkt wieder funktionieren zu müssen, die mir zeigt: Es ist Zeit, zu entschleunigen.
An diesem verschneiten Tag im Januar, an dem ich diese Zeilen schreibe, beginnen viele Menschen nach einer Weihnachtspause wieder in ihren Arbeitsalltag einzusteigen. Mich inklusive. Meine Aufgabenliste ist lang.
Dabei hatte ich vor den Feiertagen dafür gesorgt, dass die wichtigsten Aufgaben abgehakt sind — mit Volltempo hatte ich so gerade noch alle Deadlines eingehalten. Erfolgreich. Pünktlich zu den Feiertagen durfte ich es mir dann erlauben, für ein paar Tage alles abzuschalten.
Wenn die To-do-Liste keine Ruhe kennt
Kaum ist es nach Neujahr sammeln sich die nächsten To-dos an: den Keller ausmisten, der vor lauter ungebrauchter Dinge aus den Nähten platzt, frische Themen recherchieren, neue Workshop-Projekte für das Jahr planen.
Meine Liste ist so voll, dass ich die wichtigste Aufgabe, die ich mir für den Januar vorgenommen hatte, beinahe übersehen habe — schlimmer, ich hatte sie nicht einmal dort eingetragen. Diese Aufgabe heißt: Entschleunigen. Slowing down.
Nach dem letzten, sehr voll gepackten Jahr hatte ich mir vor der Winterpause eigentlich selbst gesagt, dass ich es im Januar 2026 mal etwas langsamer angehen könnte. Daran erinnere ich nun mich an diesem leisen Wintertag.
Nicht alles, was auf deiner Liste steht, muss sofort erledigt werden, flüstere ich mir selbst zu. Kaum sage ich mir diese Worte, werden meine angespannten Schläfen weich, Erleichterung durchströmt mich. Ist ein verschneiter Tag im verschlafenen Januar nicht genau das Richtige, um es langsam anzugehen?
Mut zum leeren Terminkalender
Also blicke ich auf die restlichen Notizen auf meiner To-do-Liste und denke mir bei den meisten Punkten: Screw it! Weg damit. Denn beim genauen Hinsehen sind die meisten Punkte darauf tatsächlich sind nicht so dringlich, wie es mein effizienzgetriebener Kopf es mir wieder mal versucht einzureden.
Es ist erstaunlich, wie schnell ich es im Alltag immer wieder vergesse, ruhige Phasen auch bewusst in meinen Terminkalender einzuplanen. Egal wie viel Selfcare-Strategien ich bereits als feste Routinen etabliert habe.
Dieser zauberhaft verschneite Januar-Tag erinnert mich nun daran, dass es ein guter Moment ist, um dies nachzuholen. Also nehme ich mir fest vor, diesen Monat mehrere Tage des Entschleunigens in meinen Kalender einzuplanen.
Es ist ungewohnt, ihn mit so wenigen Aufgaben und Terminen gefüllt zu sehen. Doch Mut zu einem leeren Terminkalender, gehört schließlich zur Kunst des Entschleunigens.
Warum langsame Tage oft die reichsten sind
Nun sind es genau die Tage, die so leer erscheinen, die reichsten für mich: Endlich das Buch lesen, das ich vor zwei Jahren geschenkt bekommen habe. Mir Zeit nehmen, um meinen Zitronen-Ingwer-Tee am Morgen in aller Ruhe zu genießen. Den Spaziergang zwischen den neu fallenden Schneeflocken auszukosten und die glitzernden Eisschollen auf der Spree bestaunen.
Vielleicht beginnt ein gutes Jahr genau so. Indem ich es mir bewusst erlaube, einfach mal langsamer zu leben.
Wann hast Du Dir das letzte Mal erlaubt, Deinen Alltag zu entschleunigen?

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